Das Konzept

girlspace – Medientreff für Mädchen

1.

Der Einrichtung des Mädchen-Internetcafés girlspace im Jahr 1999 lagen folgende Überlegungen zu Grunde:

 

  • Die schnelle Entwicklung der neuen Medien und Kommunikationstechnologien wird sich auch in der Jugendarbeit auswirken
  • Pädagogen und Pädagoginnen sind gefordert, Kindern und Jugendlichen einen Zugang zu diesen Medien zu ermöglichen und ihnen einen verantwortungsvollen und reflektierten Umgang damit zu vermitteln
  • Pädagoginnen haben großen Informationsbedarf und häufig selber Ängste vor der Nutzung von PC und Internet – Fortbildungen für Pädagoginnen sind also notwendig
  • Jungen und Mädchen haben einen unterschiedlich schnellen und spontanen Zugang zu PCs, zum Internet und zu Technik allgemein. Computer sind (noch) eher Jungensache, Mädchen brauchen Freiräume zum eigenständigen Entdecken des Internet und zum spielerischen Umgang mit dem PC
  • Benachteiligte Mädchen und solche mit Migrationshintergrund haben nur geringe Chancen, in ihrer Freizeit einen Computer zu nutzen

Die mit der Einrichtung des Mädchen-Internetcafés verbundenen Ziele waren:

  • Erweiterung der Medienkompetenz bei Mädchen und jungen Frauen sowie bei Pädagoginnen
  • Verbesserung der Chancen von Mädchen und jungen Frauen im Übergang Schule/Beruf
  • Verbesserung der Möglichkeiten zur Partizipation
  • Stärkung der Mädchen als Beitrag zu Emanzipation und Selbstbewußtsein
  • Integration von Migrantinnen in die Arbeit im Café und in die Gesellschaft
  • und bei alledem: Erweiterung der sozialen Kompetenz der Besucherinnen

Angepeilte Zielgruppe:

  • Mädchen ab 12 Jahren und junge Frauen bis 27 Jahren (mit besonderem Augenmerk auf die Integration von Benachteiligten und Migrantinnen)
  • aus allen Stadtteilen und der direkten Umgebung
  • Multiplikatorinnen (Sozialpädagoginnen, Lehrerinnen, Pfarrerinnen,…)
  • Frauen jeden Alters (generationenübergreifende Arbeit mit Mädchen und Frauen)

Das Konzept sah vor:

  • ein offenes, pädagogisch betreutes Angebot (Internetcafé) zur freien und kostenlosen Nutzung durch die Besucherinnen
  • Vertiefungsangeboten aller Art (Projekte, Kurse, Berufsorientierung) als Ergänzung und eigenständiges Angebot
  • Zusammenarbeit mit Kooperationspartnerinnen in der ganzen Stadt

Heute:

Grundlegendes Ziel der Arbeit ist es, den Teilnehmerinnen der Angebote einen kreativen, reflektierten und selbstgesteuerten Umgang mit digitalen Medien zu vermitteln.

Die Textverarbeitungskurse der Anfangszeit wurden zu innovativen, kreativen Medienprojekten wie der Schulung von Gestaltungsmöglichkeiten im Web 2.0 wie der Erstellung eines eigenen Blogs, dem Produzieren von Filmen usw. Die mobile Arbeit vor Ort, z.B. an Schulen in Köln und Umgebung, nimmt zu. Themen von heute sind Social Communities, Cybermobbing und Sicherheit im Internet.

Soziale, interkulturelle und inklusive Aspekte stehen stets mit im Fokus der Arbeit.

2.

Die Projektleitung wird zur Zeit durch eine Sozialpädagogin wahrgenommen, die von Honorarkräften, Praktikantinnen und zahlreichen Ehrenamtlichen unterstützt wird.

Die Arbeit geschieht in Gruppen und Ferienprogrammen im girlspace, in Workshops und Aktionstagen auch an anderen Orten, in Projekten und AG-Angeboten in Schulen und in einer Kindertagesstätte. Hinzu kommen Elterninformationen und Fortbildungen für Multiplikatoren und LehrerInnen. Das aktuelle Programm finden Sie auf der Seite des girlspace.

girlspace beteiligt sich aktiv an Veranstaltungen wie: Mädchenkulturtag, Jugendstiftungstag, girlsday, Deutscher Evangelischer Kirchentag, Evangelisches Jugendcamp, Mädchen-Computernacht, Gemeindefeste und Feste des Familienzentrums Kartause.

Zur technischen Ausstattung des girlspace gehören u.a.:

  • acht PC-Arbeitsplätze
  • digitale (Video-)Kameras
  • Scanner, Drucker und diverse Software
  • Notebooks (für die mobile Arbeit und Projekte in den Stadtteilen)
  • Nähmaschinen

Beispiele aus der bisherigen Bildungsarbeit:

  • Gelernt wird im girlspace vor allem in der Praxis, d.h. in längeren oder kürzeren Projekten, die oft auf Anregungen der Besucherinnen zurückgehen und in deren Verlauf die Mädchen die jeweils nötigen Fähigkeiten erwerben, um das zu erreichen, was sie sich vorgenommen haben. Beispiele sind:
    • „Gast in einem fremden Land, das zur Heimat werden kann!“ Integration durch Sprache – ein Gruppenangebot für Migrantinnen
    • „Raus aus dem Haus“ – ein Projekt für benachteiligte Kinder und Jugendliche mit dem Schwerpuntk Ernährung, Bewegung, digitale Medien
    • „Frauennet“-Online-Zeitung ist mit dem Dieter-Baacke-Preis ausgezeichnet worden
    • „Home is where my heart is“ – multikulturelles Projekt zum Thema Heimat
    • Online-Stadtplan für Kinder
    • „Grenzenlos-(Frauen)Freundschaften“ Kunstausstellung
    • Netnixen – Online-Zeitung von und für Mädchen
    • Frauenwelten – Fotoworkshop von und für junge Frauen
    • Flucht – eine Reise ins Unbekannte…Tanzprojekt
  • Gelernt wird aber auch in Kursen, die einen Einstieg ermöglichen, ein bestimmtes Thema vertiefen oder ausweiten. Beispiele sind:
  • Für Multiplikatorinnen fanden statt u.a.:
    • Einführungskurse in verschiedene Software
    • Einführungskurse zur Nutzung des Internet in der Jugendarbeit
    • Fachtage zu Einzelthemen: Jugendschutz, Computerspiele, u.ä.

Bisherige Erfahrungen

Der Verlauf des Projekts hat unsere Annahmen bestätigt:
Es gibt einen deutlich erkennbaren Bedarf an einer solchen spezialisierten Einrichtung. Die hohe Zahl der Besucherinnen sowie die häufigen Bitten von Gruppen außerhalb des girlspace um Unterstützung, Kooperation, Durchführung von Kursen und Projekten für Multiplikatorinnen und Jugendliche zeigen, dass eine solche Einrichtung nach wie vor gebraucht und genutzt wird.

girlspace ist heute ein Treffpunkt für Mädchen und Frauen vieler Muttersprachen und aus vielen Nationen, wo sie ihre Ideen und Vorstellungen umsetzen können, und zugleich ein Ort anspruchsvoller Bildungsprogramme v.a. im Bereich der kreativen Verbindung von  Multimediaprodukten mit anderen Formen der Jugendarbeit, z.B. Tanz oder Näharbeiten.

Die Besucherinnen sind nicht nur in Bezug auf Nutzung der Technik selbstbewußter geworden und können z.B. Chancen und Möglichkeiten von Berufen in der IT-Branche besser einschätzen.

3.

Finanzielle Basis der Arbeit

Der Start des Projektes girlspace wurde 1999 durch Gelder aus dem Landesjugendplan NRW ermöglicht. Seit 2003 hat der Verein girlspace e.V. die Trägerschaft übernommen und konnte das Café als dauerhaftes Angebot für Mädchen und junge Frauen in Köln etablieren. Die dafür notwendigen Finanzmittel werden neben Spenden und Mitgliedsbeiträgen vor allem durch Fördermittel aus Stiftungen, insbesondere der Oelbermann-Stiftung, sowie die Teilnahme an Wettbewerben bereitgestellt.
Auch die Unterstützung einiger Firmen für bestimmte Projekte konnte gewonnen werden. Allerdings verlangt die Sicherstellung der Finanzierung immer wieder neue Anstrengungen.

Wir freuen uns über jede Spende! Vielen Dank!

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